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                                   Namensgeber von Amerika

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hatte Horst Reuter vom Verkauf einer Weltkarte aus dem Jahr 1507 für 10 Millionen Dollar an die Libarary of Congress in Washington aus dem Hause des Fürsten Johann zu Waldburg-Wolfegg gelesen. Der deutsche Kartograf Martin Waldseemüller hatte diese Karte angefertigt. Das Besondere daran ist: auf dieser Karte war erstmals der Name "America" für die Neue Welt angegeben.

Der in den 1470er Jahren geborene Martin Waldseemüller hatte in Freiburg studiert. In Aufzeichnungen gab er sich selbst als Freiburger aus. Doch möglicheweise entstammte er dem Ort Wolfenweiler, heute ein Teilort der Gemeinde Schallstadt. Horst Reuter, der nach über 40 Berufsjahren in den Vereinigten Staaten 1997 nach Schallstadt gezogen war, war fasziniert von dieser Geschichte, recherchierte zu Waldseemüller, seiner Zeit und seinem Lebenswerk und vermittelte kürzlich sein Wissen im Rahmen einer Veranstaltung der Senoiren-Union im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald im Gemeindehaus der katholischen Gemeinde St.Blasius in Schallstadt.

Wenige Meter davon entfernt befindet sich das historische Anwesen Binzenmühle, nach mündlicher Überlieferung das Geburtshaus des Martin Waldseemüllers. Ein altes Nebengebäude wurde  kürzlich zu einer Besenwirtschaft (Strauße) umgestaltet. Dessen Vater Konrad war offensichtlich um 1480 nach Freiburg gezogen. Er tauchte dort von 1481 an im Steuerbuch auf, erwarb 1490 die Bügerrechte der Stadt, wurde 1491 in den Rat aufgenommen, ein Jahr später jedoch ermordet. In Grundbesitzerverzeichnissen wird Konrad Waldseemüller als "Wolfenwyler" aufgeführt; tatsächlich besaß er in Wolfenweiler umfängliche Güter, darunter Rebstücke und Weiher. 1486 etwa hatte er fünf Weiher an den Deutschordenskomthur Ulrich von Windeck verkauft sich aber das Recht auf den einträglichen Fischfang vorbehalten.

Sein Sohn Martin bezeichnete sich selbst als "Freiburger". 1505 war er im elsässischen St. Díe einem Kreis namhafter Humanisten beigetreten, der sich unter anderem kartografischen und kosmografischen Studien widmete, eine Druckerei und eine Buchhandlung betrieb. Zu diesem Kreis gehörte auch Matthias Ringmann, ein Studienfreund Waldseemüllers. Im Auftrag von Herzog René den Zweiten von Lothringen fertigten sie die berühmte Weltkarte.

"Waldseemüller kannte nur die Berichte von Amerigo Vespucci, nicht von Kolumbus."

Den Namen "America" "erfanden" wohl beide gemeinsam. Sie kannten die Berichte des italienischen Seefahrers Amerigo Vespucci, der zwischen 1497 und 1502 Entdeckungsreisen entlang der 1492 von Christoph Columbus entdeckten Neuen Welt vorgenommen hatte. Columbus selbst hatte bis zu seinem Tod im Jahr 1506 geglaubt, Indien über den Seeweg erreicht zu haben. Waldseemüller und Ringwald hielten Amerigo Vespucci für den Entdecker des neuen Kontinents, denn sie hatten keine Nachrichten von Christoph Columbus. Das spanische Königshaus hatte seine Reiseberichte wie Staatsgeheimnisse gehütet, um das neue Land für sich selbst beanspruchen zu können. Waldseemüller entwarf die Kartenblätter und fertigte die Druckstöcke. Ringmann verfaßte auf Lateinisch die Begleitschrift "Einführung in die Kosmografie". Darin beschrieb er, warum man den neuen Kontinent nach Amerigo Vespucci "America" nennen sollte, waren doch Europa und Asien nach Frauen benannt. Martin Waldseemüller war zunächst nicht damit einverstanden, trug den Namen aber dann doch ein. Ebenso fertigte er 12 Globusstreifen zum Aufkleben auf eine Kugel.

1.000 Exemplare der Karte wurden gedruckt. Die nach Washington verkaufte Kopie ist das einzige Original das noch existiert. Zufällig wurde es 1902 in der Bibliothek des Schlosses Waldburg-Wolfegg entdeckt. In der Bibliothek von St. Díe ist ein Kopie von Ringmanns Begleitschrift ausgestellt, im Museum kann man Kopien davon kaufen.

Martin Waldseemüller starb 1520. Er war vollkommen in Vergessenheit geraten. Erst Alexander von Humboldt ordnete die Identität des Herstellers Martin Ilacomylus, oder Hylacomylus dem Kartografen Martin Waldseemüller zu. Offenbar hatte dieser seinen Namen in griechischer Übersetzung angegeben.

Text von Horst Reuter, Hobby-Historiker

ebenso erschienen in der Badischen Zeitung vom 22.12.2003